Energie Revolution der Fachwerkstädte

Zwischen dem öffentlichen Getöse zu Energiewende, steigenden Stromkosten, Kritik am Ausbau der großen Stromtrassen und dem Windwiderstand hören wir natürlich auch immer wieder Erfolgsmeldungen. Zum Beispiel, dass virtuelle Kraftwerke Problemlösungen anbieten, von denen wir bis vor kurzem nur träumen konnten. Zu den Lichtblicken gehört auch das heutige Beispiel der Energieversorgung in der Region Nordhessen. Ein Beispiel, das vielen anderen Kommunen Mut machen kann, einen pragmatischen Weg zu gehen.

In der Region haben sich verschiedene Gemeinden auf den Weg gemacht, ihre Orte in klimaneutrale Gemeinden zu verwandeln. Warum gerade Wolfhagen? Nun, wir wissen, dass der Bau von Erzeugeranlagen und die Umstellung von Energiesystemen häufig politisch mehrerer Anläufe benötigen, oft gar mit Widerstand begleitet ist, wie zum Beispiel bei der Windkraft. Andere werden politisch anhand von unpassenden Förderregimen ausgebremst, wie der Solarausbau derzeit. Häufig sehen wir, bei dem Wunsch, erneuerbare Erzeugeranlagen zu bauen oder mit einer Bürgerinitiative vor Ort tätig zu werden, dass das Thema zu politischen Grabenkämpfen führt, die die Interessenskonflikte vor Ort widerspiegeln.

Das kostet auch wertvolle Zeit. Nicht so in Wolfhagen. Seit 2015 ist die Stadt zu über 100% klimaneutral. Und das fand ich dann doch sehr berichtenswert. Denn das Besondere dort ist, dass der Leiter des lokalen Stadtwerkes, Martin Rühl und die  lokalen Politiker sich  selbst auf den Weg gemacht haben, ihren eigenen Ökostrom zu produzieren. Niemand musste dies von Ihnen fordern. Keiner protestieren oder Petitionen auf den Weg bringen. Es gab auch keine langen Debatten im Stadtparlament, als es darum ging, den Beschluss, die Stadt Wolfhagen binnen 5 Jahren zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen, zu fassen. Nein, die Wolfhager haben einfach gesagt, ok, das müssen wir jetzt machen, sie haben es gemacht und sie waren erfolgreich. Veni – Vedi Vici , denn Wolfhagen gewann den Bundeswettbewerb Energieeffiziente Stadt – zu bewundern ist das ganze auf youtube. 

Die andere Säule der Energiewende, die Effizienz und Reduktion des Energieverbrauches sowie Bürgerfragen und -projekte, werden von der Energieoffensive Wolfhagen, die im Ort ein Projektbüro unterhält, betreut. Gemeinsam mit anderen Kommunen der Region hat man sich anschliessend auf den Weg gemacht, die Stadt Kassel mit den Überschüssen an produziertem Ökostrom zu versorgen. Die dortige Universität und das Fraunhofer Institut für Windenergie- und Systemtechnik begleitet die nordhessische Energiewende, beispielsweise mit Machbarkeitsstudien. Die Stadtwerke Union Nordhessen blockierte nicht wie Stadtwerke anderen Ortes mit ihrer Netzpolitik die Fortschritte der Energiewende und der Ökogemeinden der Region, sondern betätigt sich selbst sehr erfolgreich als Projektierer und baut  einen Wind- und Solarpark nach dem anderen. Die Städtische Werke AG in Kassel sind ein nachhaltiges Unternehmen. Liebe Lokalpolitiker, liebe Energieversorger – an welcher Ecke möchten Sie sich die Scheibe abschneiden? 

Klar, sie sind nicht die ersten, die diesen Weg gehen, wie wir wissen. Und der Wege sind natürlich viele. Die Stadtwerke Schönau haben vorgemacht, wie aus Bürgerenenergiegenossenschaften erfolgreiche Erzeugergemeinschaften entstehen können. Der Anteil der Bürgerenergie an der gesamten Ökostromproduktion in Deutschland beträgt über 50 %. Auch in Wolfhagen gibt es eine Bürgerenergiegenossenschaft als tragende Säule der ganzen Unternehmung. Wie die Umstellung einer Gemeinde abläuft, welche Probleme es vor Ort gab und welche Vorteile ein Umstieg auf Erneuerbare für die Region bringt – diese Fragen beantwortete mir  Matthias Boos, damals verantwortlich für die Unternehmenskommunikation bei der Stadtwerke Wolfhagen GmbH.

 

Energie aus der Hand großer Konzerne war gestern. Heute können immer mehr Menschen  die ökologische Energieversorgung selbst mitgestalten. Die Bürgerenergie bringt schon seit Jahren die deutsche Energiewende vorwärts. Lokale Akteure und ihr meist ehrenamtliches Engagement sorgen dafür, dass – dezentral bereits ca. 4.000 Windkraft- und über 1,2 Millionen Solaranlagen in Deutschland gebaut wurden, die  Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz einspeisen.

Im nordhessischen Habichtswald, 30 Kilometer westlich von Kassel gibt es in der Gemeinde Wolfhagen die Gelegenheit, die Bürgerenergiegewinnung auf kommunaler Ebene selbst zu besichtigen. Seit 2015 gibt es in der gesamten Stadt für jeden Bürger Ökostrom. Und es gibt eine Bürgerenergiegenossenschaft (BEG), der 25% des Energieversorgungsbetriebes der Stadt gehören. Über die Region soll auch die Stadt Kassel mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Matthias Boos verantwortet die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Wolfhagen.

Guten Tag Herr Boos, ich freue mich, dass Sie die Zeit gefunden haben, mit mir über die Energiewende in Wolfhagen zu sprechen. Meine erste Frage: Jede zweite Kilowattstunde Ökostrom kommt aus bürgereigenen Kraftwerken, sagt  Verena Ruppert, Vorstandsmitglied beim Bündnis Bürgerenergie (BBEn). Wie kam es dazu, dass die Stadt Wolfhagen sich auf den Weg zur Klimaneutralität machte, und wie schwer war es in der Gründungsphase, Leute ins Boot zu holen?

Es gab bereits seit Anfang der 2000 er Jahre Initiativen der Stadt und der politischen Entscheidungsträger, die in die Richtung gingen.

2008 kam es dann zu dem wichtigste Beschluss der kommunalen Energiepolitik, als sich das Stadtparlament einstimmig zu dem 100% Ziel bekannt hat und gesagt hat, Wolfhagen soll bis 2015 so viel Strom aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen, wie in dem Jahr verbraucht wird. Das haben wir auch erreicht, dank Windpark aber auch dank vieler privater Photovoltaik-Anlagen Betreiber und der Biogasanlage, die von lokalen Landwirten betrieben wird.

Die Klimaoffensive, eine Bürgerinitiative und die Bürger Energie Genossenschaft sorgten schon früh für breiten Rückenwind. Wie man an der Aufzählung schon sieht, sind in Wolfhagen viele Leute beteiligt.  Natürlich waren und sind nicht alle überzeugt.  Gerade die BEG, 2012 gegründet, zeigt mit  heute 750 Mitgliedern, dass es einen großen Rückhalt  in der Region dafür gibt, hier erneuerbaren  Strom zu erzeugen.

Womit Sie  die Frage der Akzeptanz  ansprechen. Sie haben vorhin angedeutet, es gab hinsichtlich der Windkraft schon Widerstand, in der Phase in der das alles erschlossen wurde oder sogar schon vorher?

Der Windparkbeschluss war schon immer Teil der Strategie, das 100%- Ziel zu erreichen – da muss man auf Windkraft setzen, um die entsprechenden Mengen zu erzeugen. Als die Pläne öffentlich wurden, und man dann in die öffentliche Diskussion ging, kam irgendwann heraus, dass sich der Wald auf dem Rödeser Berg  als Standort gut eignet. Windkraft im Wald ist aber ein sehr umstrittenes Thema, und das war auch hier bei uns so. Als die Pläne dann öffentlich wurden, hat sich eine vehemente Gegnerschaft dagegen formiert. Letztlich sind aber die politischen Beschlüsse und auch die Bestätigung der Gerichte so ausgefallen, dass der Windpark gebaut werden konnte.

Was waren denn die Bedenken der Gegner?

Zum einen natürlich naturschutzfachliche Bedenken, der Schutz von Fledermäusen, von Rotmilanen. Die Argumente, die man auch von anderen Projekten kennt, gab es auch hier. Ich denke, dass es sich jetzt nach knapp eineinhalb Jahren Betrieb beruhigt hat. Natürlich werden Leute denen die Anlagen damals nicht gefallen haben, nicht plötzlich ihre Meinung ändern. Und es ist schön, dass es keinen dauerhaften Streit in die Kommune gebracht hat.

Möglicherweise kommen ja auch die Vorteile jetzt erst zu Tage und vielleicht überzeugen die noch den einen oder anderen?

Durchaus, es gibt ja viele Argumente, die auch für den Windpark sprechen. Die Wertschöpfung vor Ort, dadurch dass die Stadtwerke ja zu 75 % der Kommune gehören, die finanziellen Profite, die der Windpark generiert, fließen dem städtischen Haushalt zu und damit auch den Bürgern. Aber zu einem Viertel gehören ja auch den Bürgern selbst, organisiert in der BEG, so dass die Bürger damit noch einmal direkt profitierten. Und ich glaube schon, dass wir damit einige überzeugt haben. Zumal es natürlich auch die Argumente aus Sicht des Klimaschutzes gibt, die für Windparkprojekte sprechen, also dass der Strom  Co2 frei erzeugt wird.

Sie sprachen vorhin über den Wirtschaftsstandort und die Wertschöpfung in der Region. Welche konkreten Vorteile hat das Unternehmen Bürgerenergie diesbezüglich? Geht es da nicht auch um die Betriebe hier vor Ort?

Wir versuchen immer, die regionale Wirtschaft mit einzubeziehen. beim Bau des Solarparks vor allem lokale Handwerker eingesetzt wurden und dass wir mit den Banken hier vor Ort kooperieren

Wie sieht denn eigentlich der aktuelle Energiemix in Wolfhagen 2016 aus?

Wir müssen hier unterscheiden zwischen dem Strom, den die Stadtwerke an ihre Kunden liefern  und den Strommengen, die in Wolfhagen erzeugt werden.

Letztere zählen bei der Betrachtung des 100-Ziels. Im Windpark wurde 2015 mehr als die Hälfte der Strommenge produziert, der Solarpark deckt mehr als ein Drittel ab, die Biomasse den Rest. In diesem Jahr zeichnet sich ab, dass die Photovoltaik eine starke Rolle spielen wird, die Windkraft liegt derzeit nicht auf Vorjahresniveau, die Biomasse produziert konstant.

Unsere Kunden bekommen bereits seit 2008 sauberen Strom, im Haushaltskundensegment bieten wir nichts anderes an.

Hat der ganze Prozess eigentlich hier etwas bewirkt? Hat die Beteiligung der Bürger am Klimaschutz, Ihren Wohnort solidarischer gemacht?

Das kann ich gar nicht abschließend beurteilen. Obwohl diese kontroverse Diskussion, der Streit um den Standort des Windparks durchaus hohe Wellen geschlagen hat,  glaube ich nicht, dass es dauerhaftes die Gemeinschaft hier in vor Ort beschädigt hat. Was man aber deutlich sieht, zum Beispiel an der hohen Zahl an BEG, ist, dass es eine große Zahl von Menschen gibt, die das Thema Erneuerbare Energien beschäftigt, und die sich dafür einsetzen.

Kommen wir doch noch einmal zur Bürger Energie Genossenschaft Wolfhagen. Das habe ich jetzt so verstanden, dass die 25% an den Stadtwerken hält.

Das ist richtig.

Und der Vorteil ist, diese Gewinne fließen eben nicht an überregionale, anonyme Kapitalanleger, sondern verbleiben in der Region. Und über die Anteile bei den Bürgern selbst. 500 Euro kostet ein Anteil?

500 Euro kostet ein Anteil, ja. Man kann bis zu 40 Anteile erwerben

Bauen die auch Wind- und Solarparks?

Nein, die bauen nicht selber. Es gibt hier die SUN, die Stadtwerke Union Nordhessen, die projektiert Windparks und öffnet sie für andere Akteure. Dann können sich BEGs aus der Region beteiligen

Gibt es in der Bürgerenergie Genossenschaft auch für Geringverdiener eine Möglichkeit der Beteiligung?

Es ist von Anfang an im ganzen Gründungsprozess, wichtig gewesen, dass sich möglichst viele Mitglieder beteiligen, also lieber 2000 Mitglieder, die einen Anteil haben, als nur 300, die entsprechend 10 oder 15 Anteile haben. Deswegen kann man auch den ersten Anteil  in Raten bezahlen, so dass die monatliche Belastung nicht so hoch ist, und man doch in den Genuss der Vorteile einer Mitgliedschaft kommt. Das ist zum einen die Dividende von derzeit ca. 6%, die natürlich aus dem Unternehmensgewinn der Stadtwerke resultiert. Interessant wird die Mitgliedschaft aber auch wegen der angebotenen Förderprogramme und Energieeffizienzmaßnahmen in den Haushalten der Mitglieder. Das alles bekommt man ab dem ersten Anteil.

Lassen sie uns kurz allgemein über die Energiewende sprechen. Sie ist ein komplizierter, aber notwendiger Schritt. Wenn nun immer mehr Gemeinden in Deutschland diesen Weg gehen, könnten wir die Kohleverstromung bald einstellen. Das Abschalten von Kohlekraftwerken hierzulande  ist überfällig. Ist die regionale, dezentrale Gewinnung von Ökostrom der logische Schritt hin zu diesem Ziel?

Das ist eine gute Frage. Genaue Zahlen kann ich Ihnen gar nicht nennen. Sicherlich sind die Verbände da der richtige Ansprechpartner.

Wann wird Nordhessen klimaneutral sein?

Studien besagen, dass eine Versorgung der Region auf Basis erneuerbarer Energien bis 2030 möglich ist. Es gibt hier ein sehr gutes Verhältnis zwischen Kassel als Großstadt und dem Umland. Im Umland gibt es die Flächen und die Möglichkeiten Erzeugungslagen zu errichten, in der Stadt Kassel gibt es den geeigneten, urbanen Abnehmer in unmittelbarer Nähe. Das bedeutet, dass der Strom nicht über weite Entfernungen transportiert werden muss.

Wäre das ein das Modell für ganz Deutschland, die Region versorgt die Stadt?

Man muss da glaube ich jede Region einzeln betrachten, aber ich glaube, dass es hier gute Lösungsansätze gibt.

Und wäre es nicht auch ein Gewinn in punkto Mitsprache, also eine Demokratisierung der Energiewirtschaft?

Selbstverständlich. Es ist sicherlich so, dass die Leute, die das auch betrifft, die das Windrad sehen,  auch Mitspracherecht haben, a) im ganzen Planungs- und Entstehungsprozess aber auch in der Frage, was passiert mit dem Strom, der da erzeugt wird, und b) was passiert mit den Erlösen, die generiert werden. Das ist schon ein wesentliches Argument und wird hier auch so gelebt.

Sobald der Solarpark und die Windräder Überschüsse produzieren, verkaufen Sie an Nachbarregionen, je nachdem, wo gerade etwas benötigt wird. Soll das denn ausgeweitet werden?

Hier darf Erzeugung und Vertrieb nicht gleichgesetzt werden.

Und kann man das so verstehen, dass Sie jetzt Ökostromanbietern wie den Stadtwerken Schönau, Greenpeace Energy und Lichtblick in Hamburg  Konkurrenz machen wollen und Ihren Strom überregional anbieten?

Hier in Wolfhagen planen wir keine weiteren Windparks oder andere größere Erzeugungsanlagen. Wir sind wie gesagt im Rahmen der Stadtwerke Union in der Region tätig. Und da beteiligen wir uns an Windparks, wo es Sinn macht.

Wir bieten unseren Strom ja durchaus auch bundesweit an, das ist immer auch eine Frage von Marketing und Werbestrategie. Aber wir sind hier in der Region ganz klar als regionales Unternehmen tätig. Hier bei uns ist der e.on Konzern der ehemalige Regionalversorger. Die haben immer noch sehr viele Stromkunden hier und diese Kunden zu überzeugen zum regionalen Ökostromanbieter zu wechseln – der Strom ist bei uns auch nicht teurer – das ist erst mal unsere Priorität und unser Ziel.

Und um bei den Stadtwerken Wolfhagen Ökostromkunde zu werden, muss ich da auch am Ort wohnen oder geht das auch von Düsseldorf oder Hildesheim aus?

Hildesheim – ja, Düsseldorf – nein. Wir prüfen das gerne im Einzelfall. Grundsätzlich aber konzentrieren wir uns auf die Region, in der wir zuhause sind.

Wir sprachen vorhin über die Bürger Energie Genossenschaft, und die Projekte, die von ihr entwickelt und durchgeführt werden. Ich habe gelesen Sie bieten Thermographieaufnahmen an, auf denen Ihre Kunden das „Energieverhalten“ ihrer Häuser sehen können?

Das war sogar das erste Projekt, das der Energieeffizienzbeirat entwickelt hatte. Es wurde den BEG Mitgliedern vergünstigt angeboten, eine professionelle Thermographieaufname von ihren Häusern machen zu lassen, so dass man den ersten Schritt machen kann hin zu einer energetischen Sanierung.

Aktuell gibt es die erwähnte Weiße Ware Aktion. Also sie kaufen ein neues, besonders energieeffizientes Haushaltsgerät, reichen die Rechnung bei der BEG ein und bekommen dann einen Zuschuss.

Es gibt zudem ein Programm für intelligente Heizungssteuerung.

Und es gibt die Zuschüsse für eine Energieberatung, die den Kriterien der Bafa Norm[4] unterliegt. Das sind die drei aktuellen Programme, die wir bisher haben und den Mitgliedern zur Verfügung stellen.

Nochmal eine ganz andere Frage, was ist eigentlich genau die Energieoffensive und was die Klimaoffensive Wolfhagen , oder ist das dasselbe?

Nein, die Klimaoffensive, das war eine Art Bürgerinitiative für Klimaschutz. Die Energieoffensive ist das Projektbüro des Forschungsprojektes „Wolfhagen 100% EE“.

Unsere Stadt hat ja 2010 den Forschungswettbewerb „Energieeffiziente Stadt“, gewonnen, und wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Bildung. Das heißt, hier wird erforscht, wie eine Kommune wie Wolfhagen mit historischem Stadtkern mit vielen Fachwerkhäusern und 13.500 Einwohnern, die Energieeffizienz erhöhen,

Die Wende zu den erneuerbaren Energien ist ein komplizierter, aber notwendiger Schritt. Wenn nun immer mehr Gemeinden in Deutschland diesen Weg gehen, könnten wir die Kohleverstromung bald einstellen. Das Abschalten von Kohlekraftwerken hierzulande  ist überfällig. Ist die regionale, dezentrale Gewinnung von Ökostrom der logische Schritt hin zu diesem Ziel?

Gute Frage. Ich denke, dass es natürlich zu dem Ziel auf jeden Fall beiträgt. Ich kann für ganz Deutschland nicht beurteilen, ob es reicht, das zu machen. Ich habe eben bereits angedeutet, wo ein Problem, eine Herausforderung liegt. Das ist, dass wir Wind- und Solarenergie nicht immer dann zur Verfügung haben, wenn Unternehmen und Haushalte den Strom auch benötigen. Wenn also die Nachfrage da ist. Es hinzubekommen über Technologien, dass der Strom, der erneuerbar produziert wird, auch dann verfügbar ist, wenn er benötigt wird, das ist die Herausforderung. An dieser Stelle versuchen wir über das Demand  Management, einen Lösungsweg aufzuzeigen. Speicher wären eine Lösung. Ich denke, dass das noch Schritte sind, die notwendig sind.

Aber nichtsdestotrotz ist es  aus meiner Sicht unstrittig, dass die Kohle nicht länger für die Stromgewinnung genutzt werden sollte. wir sind überzeugt, dass wir die richtigen Schritte in die richtige Richtung gegangen sind. Und die werden wir auch weiter gehen.

Was denken Sie ist am „Wolfhager Energieweg“ so speziell, dass es die Leser interessieren könnte?

Ganz eindeutig unser Modell der Beteiligung und das Thema Akzeptanz, für die wir ausgezeichnet worden sind, unsere Art der Kundenbindung und wie wir mit der Frage der Energieeffizienz umgehen. Die BEG Wolfhagen hat mittlerweile 750 Mitglieder und wir haben an dieser Stelle die Möglichkeit, eine große Zahl an Leuten in Fragen der erneuerbaren Energien zu erreichen,

Kommen wir noch einmal auf das Thema Akzeptanz. Hierzu wurde hinsichtlich der Windenergie eine Befragung  über das Landesprogramm „Bürgerforum Energieland Hessen“[10] (BFEH) in Wolfhagen durchgeführt. Was ist da im Ergebnis herausgekommen?

Die Befragung hat eine hohe Zustimmung hinsichtlich der deutschen Energiewende ergeben, auch auf regionaler Ebene wird der Ausbau befürwortet und mit Imagegewinn für die Region verknüpft. Doch es sind auch Bedenken geäußert worden, zum Beispiel gegenüber einem möglichen Anstieg der Strompreise oder bezüglich Versorgungsunsicherheiten und der allgemeinen Wirtschaftlichkeit der Windkrafträder. Diese Bewertungen hatten allerdings keine Auswirkungen auf die generelle Zustimmung zur Energiewende. Es hat sich auch gezeigt, dass der Anteil der Bürger, die sich positiv über den Bau des Windparks äußerten nach dem Bau angestiegen ist. Insgesamt hat sich der Bau des Windparks eher polarisierend in der Bevölkerung ausgewirkt, wobei sich Pro- und Kontrastimmen in etwa die Waage hielten. Die Wolfhager Bürger fühlten sich zum Projekt allgemein gut informiert, und bejahten mehrheitlich die Frage, ob sie die Gelegenheit hatten, ihre Bedenken zu äußern. In der Frage der Beteiligungskultur sehen die Wolfhager aber dennoch Raum für  Verbesserun-gen.

Es war viel Engagement nötig um all die Hürden seit der Gründungsphase zu nehmen. Was würden Sie Menschen in Gemeinden, die Ihrem Beispiel folgen möchten, zum Schluss gerne sagen?

Ich würde sagen, man braucht durchaus auch mal einen langen Atem, aber es lohnt sich.

Herr Boos, ich danke Ihnen vielmals für dieses interessante Gespräch und wünsche Ihnen und den Wolfhager Bürgern alles Gute für eine nachhaltige Zukunft.

Vielen Dank

Interview Claudia Ring

rühl

Martin Rühl, Initiator des „Wolfhager Energieweges“,

heute Geschäftsführer der SUN Stadtwerke Union

Nordhessen GmbH & Co. KG

Autorin: Claudia Ring ging verschiedenen Berufen nach, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte.  Aktuell ist sie eingeschrieben am bundesweit einzigen Lehrstuhl für Umweltphilosophie am Philosophischen Seminar der Uni Kiel. Seit Anfang 2016 ist sie als freischaffende Journalistin tätig. Themenschwerpunkte: Klimaethik, Energiewende und Umweltschutz. Veröffentlichungen auf umweltkompass.com und energyload.eu

links zum Thema:

 https://www.buendnis-buergerenergie.de/

http://www.beg-wolfhagen.de

http://www.energieoffensive-wolfhagen.de

https://www.wettbewerb-energieeffiziente-stadt.de/

 http://www.wolfhagen.de/de/stadtleben/stadtentwicklungsziele

Bürgerbefragung, Broschüre: „Nachgefragt: Windenergie in Wolfhagen“

Von: Bürgerforum Energieland Hessen. Kommunen beim Dialog zur Gestaltung der
Energiewende unterstützen

Ansprechpartner: Dr. Rainer Klaps, HA Hessen Agentur GmbH, Rainer.Kaps@hessen-agentur.de

https://www.energieland.hessen.de/buergerforum-energie

Begleitforschung zum „Wolfhager Energieweg“:

Dr. Stefanie Baasch, Hamburg

http://www.umwelt-klima-energie.de/de/

Veröffentlichungen 2016

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