Die wirtschaftlichen Betriebe hierzulande stellen sich in vielerlei Hinsicht auf Klimaschutz und Energiewende ein. Ob es die Versorgung des eigenen Betriebes mit erneuerbaren Energien ist oder ob ein Nachhaltigkeitsmanagement in der Firma implementiert wird. An Möglichkeiten der Optimierung für einen effektiveren Klimaschutz mangelt es jedenfalls nicht.

Möglicherweise aber an der Einstellung. Blättert man beispielsweise einmal das Handelsblatt durch, Deutschlands Wirtschafts- und Finanzzeitung, stößt man auf diverse Hinweise auf die wahre Denke der hiesigen Ökonomen zum Thema Klimaschutz. In einem Artikel über den Eon-Aufsichtsratsschef Karl-Ludwig Kley und die Erfordernisse denen der Konzern derzeit hinsichtlich der Anpassung an die Energiewende gegenübersteht, und das sind ja bekanntlich nicht eben wenige, spricht der stellvertretende Chefredakteur des Handlsblattes Peter Brors von der „erzwungenen Energiewende“. In einem anderen Satz kommt der Terminus „politisch verordnete Energiewende“ vor.

Offensichtlich empfindet man auf dem Feld des Ökonomischen Klimaschutz als etwas, das einem von aussen aufgezwungen wird. Sicher. Die Aufgabe und das Thema Nr. 1 der Ökonomie ist aber ökonomischer Gewinn und Wachstum. Doch die Öko-Pille muss geschluckt werden.

Die bekannte Publizistin Gertrud Höhler fragt sich in einem anderen Artikel (ebenfalls im Handelsblatt) über die neuen Führer und Retter von VW und der Deutschen Bank , was los sei  mit diesen neuen Managern, die so bescheiden daherkommen, obwohl sie seit Jahren im „Sperrfeuer von Ökologen und Moralaposteln, staatlichen Anklägern und Regulierern“ leben. Manager wie sie sind, so Höhler stets mit dem Generalverdacht von Gier, Arroganz der Macht, Selbstüberschätzung im Bunde mit Feigheit, Inkompetenz,  Unreife, dem Treibsatz von Mega-Egos, die Unternehmen auszuplündern, die ihnen die passende Bühne dazu liefern, behaftet. Sie verteidigt die beiden Manager gegen „Radikalinskis des Guten“, die den Untergang dieser Firmen beschlossen haben.

Aber was die Einstellung der Wirtschaftler zur Umwelt angeht, sind das keine Einzelfälle. Der Bayer Chef Werner Baumann und der Monsanto Deal seiner Firma wird als  größte Transaktion der deutschen Wirtschaftsgeschichte gelobt. Die Akquise macht Sinn für Bayer, weil Monsanto führend in allen Teilbereichen der Agrarindustrie ist und diesen Führungsanspruch strebt Bayer an.

„Wir werden den weltweiten Nahrungsanbau bis 2050 verdoppeln müssen“, sagte  der Biologe und Friedensnobelpreisträger Norman Borlaug 2005, „und das wird uns hauptsächlich durch Immunisierung von Agrarprodukten gegen weitverbreitete Schädlinge gelingen“. Ob aus der Übernahme von Monsanto durch Bayer etwas wird, steht noch nicht fest. Etwas anderes aber. Die Tatsache, dass in Europa viele Menschen Monsanto ablehnen, wird den Bayer Chef  nicht aufhalten. Der Deal wird hartnäckig verhandelt. In einem großen globalen Ausmaß wirken sich Schädlingsbekämpfungsmittel natürlich ebenso umfassend global auf das restliche Ökosystem aus. Für den Ökonomen jedoch zählt die Balance im eigenen Unternehmen und dazu will er das Argarsegment.

Sicher, mit Pauschalangriffen auf die Wirtschaft ist nicht viel zu erreichen. Doch ist es nicht legitim, wenn nicht zwingend erforderlich, dass man ihr auf die Finger schaut? Das System der Ökonomie muss neu überdacht werden. Sich mit den Handlungsmöglichkeiten angesichts ökologischer Grenzen der Tragfähigkeit natürlicher Systeme zu befassen und die Auswirkungen des eigenen industriellen Outputs auf andere Systeme mitzudenken ist nicht zu viel verlangt von einem Wirtschaftssystem, dass ansonsten eine hohe Expertise aufweist.

Text: Claudia Ring, Kiel

 

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