Diesmal wird es keinen langen ermüdenden Text von mir geben in dem ich bis ins Detail über die Workshopinhalte berichte, denn viel zu spannend war das alles, vor allem unsere Arbeit in den Arbeitsgruppen, so dass meine Aufmerksamkeit dort absorbiert war. Was können und werden wir Tag für Tag selbst tun, um die Treibhausgasemissionen wirksam zu reduzieren. Die AGs nachhaltiger Konsum, nachhaltige Ernährung, Klimaschutz zu Hause und nachhaltige Freizeitgestaltung haben einiges hervorgebracht. Aber zuvor gab es einen Input der Familie Delaperrière (Zero Waste Kiel e. V.), die uns von ihrem Weg in einen nachhaltigen Alltag berichtet hat. Und damit waren sie genau an der richtigen Stelle mit ihrem Ansatz, denn wie finde ich eigentlich einen Zugang zu einem anderen, nachhaltigen Lebensstil – und wie überwinde ich die Hindernisse auf dem Weg dorthin, ist die entscheidende Frage, die man sich an dieser Stelle als erstes stellt.

Klimaschutz besteht nicht aus den vielen Dingen, die wir alle im Alltag beherzigen sollten und in Zukunft wollen, sondern hat etwas mit ökologischem Bewusstsein zu tun. Einige Workshop Teilnehmer haben mir aus der Seele gesprochen und haben die Frage nach dem ökologischen Bewusstsein in der Landeshauptstadt Kiel aufgeworfen. Sie vermissen besonders bei den Mottos und Marketingslogans der Stadt wie „Kiel Sailing City“ den Turn zu einer grünen Stadt oder Stadtgemeinschaft. Das Wachstum eines ökologischen Bewusstseins bei uns und die Diskurse, Institutionen und Plattformen dafür wären äußerst wünschenswert und hinsichtlich der Masterplaninitiative Klimaschutz auch etwas, was auch aufgrund des mit Ihr verbundenen Bundeswettbewerbes bei dem es gilt die vorgegebenen Klimaziele auch zu erreichen eingelöst werden muss.

Viele Anregungen hat der Workshop aus der crowd einsammeln können. Energieverbrauch senken anhand von digitalen Stromzählern und -messgeräten, die mir meinen Verbrauch rückmelden und dem Energieversorger Hinweise geben auf den Verbrauch, so dass die Taktung der erneuerbaren Energieversorgung mit den Zeiten der Nutzung zu Hause koordinierbar werden. Natürlich fehlten Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Energie zu Hause nicht. Vom Heißwasserverbrauch über Heizung und Elektrogerätenutzung gibt es generationenübergreifend unzählige Tipps und Tricks wie „nicht die Heizung mit Gegenständen verbarrikadieren“ bis zu „beim Zähneputzen Wasser abdrehen“ und es gilt für alle dieses Wissen stärker zu kommunizieren und weiterzutragen. Das gilt auch für das Wissen über Zusammenhänge der Energieeffizienz. Ist es nun sparsamer, den Motor abzustellen an der Ampel, oder verbraucht das Auto dann beim Start zu viel Energie, so dass die Maßnahme keinen Sinn macht. Es wäre wünschenswert, wenn bei allen Leuten über den richtigen Umgang mit Energieeffizienzmaßnahmen Klarheit herrschte. Es wurde auch angemahnt, mehr Verantwortung zu übernehmen. Auch als Mieter kann ich durchaus mal ein Auge auf die Heizungsanlage werfen und mich fragen, ob sie ordnungsgemäß und effizient funktioniert und eingestellt ist. Eine nach wie vor tragende Rolle spielt in diesem Zusammenhang nach wie vor die Energieeffizienzberatung der Verbraucherzentrale, die für gering Verdienende kostenlos ist und ansonsten auch nicht teuer. Angedacht wurden aber auch Formen einer niedrigschwelligeren Vermittlung von Kenntnissen über die Möglichkeit eines günstigen Energieverbrauches zu Hause. Kommunikation und sich gegenseitig zu coachen gehören dazu.

Die zentrale Frage, wie nehmen wir möglichst alle Kieler mit auf den Weg in eine nachhaltige Zukunft mit, hat uns lange beschäftigt. Über ein System mit Multiplikatoren und Koordinatoren von Initiativen, Maßnahmen und Projekten, darüber, Energieverbrauch erlebbar und erfahrbar zu machen durch Besuche im Fahrradkino und anderen noch zu erfindenden spannenden Innovationen, dadurch, dass man Jugendliche aber auch Erwachsene über ihre Technikfaszination einlädt, mehr zu erfahren darüber, was eigentlich dahinter steckt oder passiert, wenn wir die Heizung hochdrehen oder den PC hochfahren – wie viel Gas muss im Kraftwerk verbrannt werden, damit ich morgens meinen Kaffee kochen kann und wo kommt das Gas eigentlich her? Ein anderer Zugang zum Klimaschutz für Kieler Bürger wird sein, das Thema in alle erdenklichen gesellschaftlichen, und alltäglichen Bereiche einfließen zu lassen, wie zum Beispiel Wochenendeinkäufen, Kochkursen Führerscheinprüfungen oder Picknicks. Schnell würde für alle auf diese Weise klar, wo Klimaschutz alles eine Rolle spielt und was er bedeutet und das Thema ließe sich auf diese Weise schnell verbreiten.

Klimaschutz in der Freizeit soll in unserer Stadt über Anreize und nachhaltige Angebote umgesetzt werden, die grüne Alternativen zum Fernsehnachmittag wären. So wie etwa Bewegungsplattformen im Stadtgebiet, an denen Bewegung generationsübergreifend erfahrbar ist an Orten, die dazu prädestiniert sind, wie beispielsweise Hügel oder anderes. Vielleicht sollten sich die Kieler einfach mal auf die Suche begeben nach interessanten Sinneslandschaften in der Stadt. Aber auch einen nachhaltigen Tourismus könnte es geben. Für die Touristen der Skandinavien Fähren und Kreuzfahrtschiffe ein plastikfreies Frühstück anzubieten wäre ein Anfang und wäre sicher auch ein geeignetes Marketingsignal aus „unserer nachhaltigen Stadt“. Die AG nachhaltiger Konsum wünscht sich mehr Präsenz nachhaltiger Cafés und Läden in der Innenstadt. Sie regt an, die bestehenden nachhaltigen, klimarelevanten Gruppen und Startups zu ermitteln und zu bündeln um zu sehen, wer in Kiel wo schon was macht überhaupt in Sachen Klimaschutz. Hierzu gibt es bereits Daten aus dem Netzwerk Klimawende Kiel, das den Zweck der Koordination klimarelevanter Kieler Akteure verfolgt. Daraus könnten Projekte wie Messen und Städteführer oder nachhaltige Shopping-Guides u.v.m. . entstehen, die möglichst vielen Bevölkerungsgruppen Zugang zu nachhaltigen Konsumweisen ermöglichen und Anstöße zur Nachhaltigkeit gewähren sollen. Mit der Auslage der Guides in Sozial- und dem Einwohnermeldeamt hätte man eine Möglichkeit die Zielgruppe der Masterplaninitiative zu vergrößern.

Weitere Ideen gab es aus der AG Sharing und Nachbarschaft – dort wurde festgestellt, dass in Kiel auch außerhalb digitaler Nachbarschaftsplattformen eine Organisation von Sharing Neighbourhoods wünschenswert wäre, inklusive Personen die eine solche Community organisieren und koordinierend begleiten sowie eventuell eine entsprechende Dachorganisation mit einer Informationsplattform im Internet. Straßenfeste könnten beispielsweise die Menschen dafür zusammenbringen. Die Stadt Kiel sollte prüfen, auf welche Art die Planung von Stadtteilfesten flankierend vereinfachet werden kann.

Am Ende des Bürgerworkshops äußerten sich viele Teilnehmer zufrieden. Eine breite Diskussion in Kiel wäre wünschenswert. Möglich wäre auch, die AG- Teams des Abends auch für die Phase der Umsetzung der gewonnenen Projektideen und Klimaschutzmaßnahmen zu gewinnen. Am Schluss klebten wir alle am Ausgang einen Roten Klebepunkt auf eine Skala von „Ich werde mich nicht weiter engagieren, bis ich werde mich sehr intensiv einbringen. Als alle weg waren, war zu sehen, dass das Engagement der anwesenden Kieler durch die Bank hoch bis sehr hoch ausfallen wird. Die Tür zu einer klimafreundlichen Stadtkultur an der Förde, die haben wir an diesem Abend in der Tat ein ordentliches Stück geöffnet. Vieles fehlt, anderes wird zu wenig berücksichtigt? Mach mit. 100% klimaneutral geht nur gemeinsam. ((http://www.kiel.de/klimaschutz) Du willst das alles genau wissen – weil Du keine Zeit hattest zu kommen. Schon bald gibt´s auf der selben Webseite die Workshop Doku als download.

Nächster Bürgerworkshop: Thema Mobilität – Januar, Kieler Schloss, Termine auf der Website der Landeshauptstadt (s.o.).

Text: Claudia Ring, freie Journalistin, Kiel

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