Wege aus der Wasserkrise

Kiel, 27.12.2016. Womöglich waren die Verschmutzungen der Flüsse in Europa in den sechziger und siebziger Jahren ein gutes Lehrbeispiel für das, was angesichts der weltweiten Wasserkrise zu bewältigen ist. Nicht im Süden der Erdkugel, also in der Dritten Welt, wie mancher jetzt denken mag  –  nein, auch hier in Europa ebenso wie auf dem nordamerikanischen Kontinent. Selbst wasserreiche Länder wie Kanada, China oder Brasilien, das als das Land mit dem meisten Wasser der Welt gilt.

Gründe dafür gibt es viele. Im Süden Brasiliens haben es die Menschen beispielsweise mit einer großen Dürre zu tun, weil so viel Regenwald abgeholzt wurde. Aber auch Kanada und Nordamerika sind betroffen. Die großen Seen ziehen sich zurück, mancherorts geht das Wasser aus. In China sind bereits mehr als die Hälfte der Flüsse verschwunden. Auf der anderen Seite leben viele Menschen in ständiger Bedrohung durch Hochwasser, Fluten und Starkregen, sie verlieren ihr Hab und Gut, weil Dämme brechen und Flüsse über die Ufer treten. Das Thema Wasser gehört also längst  auf die Agenda.

Maude Barlow, die kanadische Trägerin des Alternativen Nobelpreises, kämpft gemeinsam mit Aktivisten auf der ganzen Welt für Wassergerechtigkeit, denn der Wassermangel hat auch eine soziale Komponente. In vielen Ländern der Erde, auch hier in Europa werden Menschen von der Trinkwasserversorgung ausgeschlossen. Konflikte rund um das Wasser gibt es unzählige. Zwischen Indien und Pakistan sowie in China ist die Lage angespannt. Bei  der industriellen Entwicklung unter begrenzten Wasserressourcen wird die Lage der bedürftigen Menschen allzu oft übergangen.

Maude Barlow ist gemeinsam mit Tony Clarke die Autorin des Klassikers „Blaues Gold“. Danach folgte „Blaue Zukunft“ und  ihr neuestes Werk heißt „Boiling Point“  (dt. Siedepunkt).  Barlow  hält einen Krieg rund um das Wasser angesichts der aktuellen Spannungen nicht für ausgeschlossen. Das Recht auf Wasser ist seit 2010 durch eine UN-Resolution als Menschenrecht anerkannt.  Ein besserer Zugang zu Trinkwasser wurde von den Vereinten Nationen bereits im Jahre 2000 als Millenium Ziel beschlossen. Dies sollte  durchaus als Hinweis auf den Ernst der Lage interpretiert werden.

Barlow nennt  das Problem einen Wettlauf mit der Zeit, weil die Nachfrage nach Wasser global steigt und die Vorkommen an Süßwasser hingegen sinken. Keine allzu schwierige Rechnung, was dabei wohl  herauskommen wird.  Um das Problem zu veranschaulichen: sogenannte  Aquifere, das sind fossile Vorkommen an Wasser, die bereits Jahrtausende in der Erde lagern und sich nicht erneuern, werden von Menschen ausgebeutet. Wasser wird  aber  zum Beispiel verwendet  für den Maisanbau zur Herstellung von Ethanol. Für einen Liter davon benötigt man 1700 Liter Wasser. Da gehen sie hin unsere Wasservorräte. Diese  Unverhältnismäßigkeit muss einem verantwortungslos erscheinen.

Ist eine Lösung in Sicht? Die Lösung besteht zunächst einmal vor allem in einem professionell organisierten Wassersystem. In der Abwasserklärung kann mit einfachen technologischen Lösungen begonnen werden, das Problem anzugehen. Doch weitere Lösungen sind gesucht, die auch sehr gut auf der lokalen Ebene entstehen können, da wo die Probleme anfallen, wo vor Ort Lösungen erprobt werden können.  In Salisbury in Australien wird beispielsweise in Feuchtgebieten Regenwasser gesammelt und gereinigt. Durch diese einfache, alte Technik ist es dort zudem durch diese örtliche Maßnahme gelungen, die Wüste zu begrünen und mittlerweile verkauft  die Gemeinde ihre Trinkwasserüberschüsse.

Der WWF (World Wide Fund for Nature) diagnostiziert die Lage folgendermaßen: die Verfügbarkeit und Qualität von Wasser wird sich weiter verschlechtern, da die Bevölkerung stark wächst und auch der Konsum. In den vergangenen 100 Jahren sind demnach weltweit über 50 Prozent der Flusssysteme, Moore und Seen verschwunden. der WWF bestätigt, dass auch Deutschland ein Problem mit der Wasserknappheit  hat. Zum Beispiel: für die Wasserkrise verantwortlich und zugleich von ihr betroffen sind wichtige deutsche Wirtschaftssektoren wie Gemüse aus Spanien, Baumwolle aus Indien, Metalle aus Südafrika oder Phosphor aus China, auf all diese Produkte sind die Menschen und Unternehmen in Deutschland angewiesen.

Im Durchschnitt  hat zudem jeder Deutsche einen täglichen Wasser-Fußabdruck von 5.288 Litern, was etwa 25 Badewannenfüllungen entspricht. Es braucht mündige Konsumenten. Die Verbraucher müssen zudem bei den Unternehmen ein nachhaltiges Wassermanagement entlang der kompletten Lieferkette anmahnen, fordert der WWF.  Gemeinsam mit ihren Produzenten und Zuliefer-Betrieben müssen deutsche Unternehmen Antworten auf die lokalen Probleme im Flussgebiet vor Ort finden, aus denen sie Güter und Rohstoffe beziehen.

Ein bewusster und nachhaltiger Lebensstil jedes Einzelnen  kann laut WWF  bei der Wasserproblematik helfen. Daher empfielt der WWF auf seiner Webseite

  • regionale und saisonale Produkte bevorzugen.
  • weniger Fleisch essen. Rind- und Schweinefleisch gelten als besonders „durstige“ Güter. (Zum Vergleich: ein Burger benötigt in der Produktion 2400 Liter Wasser)
  • während des Urlaubs in „Wasserrisiko-Regionen“ auf den eigenen Verbrauch achten. Wo der Wassermangel besonders gravierend ist, können Urlauber ebenfalls anhand des Wasser Risk Filter Tools  erfahren:           http://waterriskfilter.panda.org/en/Maps
  • zum Golf-Urlaub lieber in heimische Gefilde reisen. Für die Bewässerung eines 18-Loch-Golfplatzes werden etwa in Spanien jedes Jahr 700 000 Kubikmeter Wasser verbraucht. Damit ließe sich ein Jahr lang eine Stadt mit 15 000 Einwohnern mit Trinkwasser versorgen.
  • Trinkwasser aus der Leitung gegenüber Wasserflaschen bevorzugen. Die Leitungswasserqualität ist in Deutschland flächendeckend sehr gut. Trinkwasser verbraucht in der Herstellung pro Liter 1000mal weniger Energie und Rohstoffe als in Flaschen abgefülltes Wasser. Wer das nicht möchte, sollte Wasser aus regionaler Produktion und in Mehrwegflaschen wählen.

Um die Gefährdung  der weltweiten Wasserressourcen durch industrielle Produktion einzudämmen, hat Jens Hönerhoff, Senior Fachreferent bei der DEG in Köln   gemeinsam mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) den Water Risk Filter entwickelt.  Es handelt sich dabei um einen Online Service des WWF, über den  Finanzinstitute und Unternehmen prüfen können, ob es für ihre Vorhaben eine ausreichende Datenlage zu den Wasserrisiken gibt, und sich anzeigen lassen, welche Risiken zu  ihren Plänen bestehen. Dazu kann das Tool auf umfassende Daten aus 180 Ländern zurückgreifen. Gesamtziel dieses Wasserrisikofilters  ist, die nachhaltige Nutzung  der Ressource Wasser sicherzustellen. Teil der Analyse sind Auswirkungen hinsichtlich des Klimas, Dürren Fluten und vieles mehr. Auch der Ruf des Unternehmens geht in die Kalkulation des tools mit ein. Zu finden ist der Water Risk Filter unter: http://www.waterriskfilter.panda.org  .

Die Datenbank, die als Hilfe zu Investitionsentscheidungen für Unternehmen konzipiert ist, ist für die Nutzer kostenlos. Leider wird sie bislang nicht genutzt. Es hat sich wohl bislang noch nicht bis in die Managementkreise der Unternehmen herumgesprochen, dass es ihn gibt. Grundsätzlich ist  ein Umdenken bei den Entscheidern in den Unternehmen unerlässlich ebenso wie nachhaltige Umweltstandards auch in Zulieferbetrieben inklusive deren Evaluation.

Ein weiterer Akteur im Wasserschutz ist Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.,  ein gemeinnütziger Verein, der sich dafür einsetzt, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser  haben.  Um dieses Ziel zu erreichen, fördert Viva con Agua  vielfältige Projekte und Aktionen im In- und Ausland. Die vom Verein unterstützten Wasserprojekte sind nachhaltig angelegt und beinhalten immer auch die Komponenten Sanitär- und Hygieneversorgung, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewährleisten. Aktuell fördert Viva con Agua Wasserprojekte  in ÄTHIOPIEN, KENIA, UGANDA und NEPAL

Viva con Agua aktiviert Menschen in Deutschland ebenso wie in den Projektländern für das globale Thema Trinkwasser. Für die Aktivierung der Zivilgesellschaft nutzt der Verein  Kunst-, Musik- und Sportevents. Auf diese Weise schon mehr als 2 Millionen Menschen weltweit unterstützt werden. In Deutschland engagieren sich  mehr als 12.000 Menschen mit „freudvollen“ Aktionen ehrenamtlich für Viva con Agua. Das Viva con Agua Mineralwasser ist das erste Social Business Model von VCA. Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Sozialem sieht der Verein als innovative Möglichkeit, die globale Wassersituation zu verbessern. Neben den Aktivitäten unseres gemeinnützigen Vereins sollen  auch wirtschaftliche Konzepte eingesetzt werden, um Fundraising und Aufmerksamkeit für die  Wasserprojekte zu generieren.

Mit dem Kauf des VCA-Mineralwassers kann  jeder durch eine einfache alltägliche Kaufentscheidung einen Teil dazu beizutragen, mehr Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen.
Die Wasserprobleme  des Planeten  betreffen alle  Bevölkerungsschichten. Die Spannung zwischen der Wasserverschmutzung und -übernutzung aus Profitgründen und dem Befund, dass weltweit 795 Millionen Menschen auf der Welt hungern und zwar die meisten von ihnen in Ländern, die unter Wassermangel leiden, weil dieser  in ihren Ländern zu Dürren und Ernteausfällen führt. ist das Warnsignal für den Handlungsbedarf weltweit.

Quellen:

http://www.wwf.de/2016/maerz/deutschlands-wasserproblem/

Broschüre: Chancen – Das Magazin für Entscheider aus Politik und Wirtschaft, KfW
https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Chancen/http://www.vivaconagua.org/
http://www.vivaconagua.org/mineralwasser

2) Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, eine Tochter der KfW
3) https://www.youtube.com/watch?v=_BJhE1GaeJ4 Video zum Water Risk Filter

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