Der scharfe Wind des Klimaschutzes


Wirtschaftsfunktioniären sind Umweltthemen nur schwer zu vermitteln

Von Claudia Ring

Cem Özdemir reagierte gereizt auf Kritik von Familienunternehmer – Präsident Lutz Goebel im vergangenen Jahr. Dieser warnte vor Schwarz/Grün im Bund. Anlass: die Vermögenssteuerpläne Trittins vergifteten das Klima im Land – sowie der Wunsch der grünen Fraktion, das Tempo der Energiewende zu beschleunigen. Özdemir kontert per Brief: der Verband kämpfe immer für ordnungspolitische Grundsätze, aber den ordnungspolitisch gebotenen Abbau von wettbewerbsverzerrenden und umweltschädlichen Subventionen in Milliardenhöhe hätte die Marktwirtschaft, die der Verband einfordert, nicht auf dem Zettel. Hinter der Kritik vermutet Özdemir die Erkenntnis, dass von einer ökologischen Modernisierung nicht alle profitieren werden – nämlich diejenigen nicht, die an alten Geschäftsmodellen festhalten.

Am E.on Konzern wird das nur allzu deutlich. Die Gewinne haben sich im vergangenen Jahr halbiert. Chef Theyssen muss nicht nur seinen Konzern umkrempeln, sondern auch bei sich selbst Innenrevision machen um die 360 Grad Wende hinzubekommen, die die Neuausrichtung des Energiemarktes mit sich bringt. Nach außen gibt er sich gelassen. An der Notwendigkeit von fossilen Kraftwerken hält er jedoch fest.

Wie kommt es, dass die Wirtschaft zusammenzuckt, sobald der Wind des Umweltschutzes sie anweht? Genügend Beispiele zeigen doch, wie sehr die Wirtschaft von den neuen grünen Technologien profitieren kann, vor allem, wenn Sie selbst grüne Produkte anbieten, und noch mehr, wenn sie ihren Fuhrpark, ihre Energiegewinnung, die Transportketten und ihren Materialverbrauch auf den ökologischen Prüfstand stellen und zum Co2-neutralen Unternehmen avancieren. Gar nicht zu reden davon, wie sehr die Menschheit gesunden würde, wenn die Wirtschaft einer ökologischen Gesamtrevision unterzogen würde.

Die Konzerne sind geimpft mit dem Serum des Wachstumszwanges, der unseren Planeten zerstört. Umwelt- und Klimaschutz lassen sich hierzulande fast gar nicht in die Hand nehmen, ohne dass sofort die Riege der Wirtschaftslobby auf dem Baum ist und die Flagge der Standortgefährdung schwenkt. Die Klimaschützer sind den Bossen ein Greul. Wirtschaftszeitungen sind voll mit Artikeln über das Streben nach dem wirtschaftlichen und technologischen Optimum.  Man fragt sich tatsächlich, wo die Damen und Herren eigentlich noch hinwollen.

Text: Claudia Ring

foto: Fraktion Bündns 90/Die Grünen

10.01.17, 14:24

 

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