Über der Frage, ob die Energiewende eine Erfolgsgeschichte ist, oder unerträgliche Kostenbürde für die Bürger, zerfällt die Republik in diesen Tagen in zwei Lager. Die Mythen über zu teure EEG Umlagen, Netzausbaugebühren und rausgeworfenes Geld für ungenutzten Windstrom haben Hochkonjunktur.

Von Claudia Ring

Da hilft es nichts, darauf hinzuweisen, dass Subventionen für ausgediente Kohlekraftwerke und Sonderregelungen für Unternehmen bei der EEG Umlage die Kandidaten sind, die an den öffentlichen Pranger gehören. Aber noch eine weitere Erzählung verfängt sich hartnäckig in den Köpfen der Deutschen. Es ist die Geschichte von der Grundlast. Die geht so: Wind- und Sonnenstrom sind unzuverlässige Genossen. Wenn Flaute herrscht und die Sonne nicht scheint, ist mit ihnen keine verlässliche Versorgung zu machen. Das erzeugt Unbehagen und rührt an der Mär über ausgehende Lichter in Deutschland. Manch einem kommt das sehr zupass. „Wir sind grün, keine Frage, aber wir werden die fossilen Energieträger noch eine ganze Weile benötigen. Wer etwas anderes behauptet, macht sich etwas vor.“ So harmlos ein solcher Satz auch daherkommen mag – eine mögliche Lesart wäre „Wie können wir möglichst lange verdienen an der ganzen Sache?“

Dass der gesamte Komplex dieser Geschichten von realen Problemen bei der erfolgreichen Transformation des Energieversorgungssystems handelt, ist unbestritten. Die andere Wahrheit ist aber, dass diese Probleme lösbar sind und bereits gelöst werden. Nehmen wir das Beispiel, das in Diskussionen zur Energiewende oft bemüht wird. Gas, zwar ein fossiler Brennstoff, aber längst nicht so gefährlich für das Klima wie Kohle, eignet sich als Garant eines sicheren Übergangs in eine regenerative Zukunft. Es bietet gegenüber den volatilen Energieformen Sonne und Wind die nötige Grundversorgungskapazität. Und sorgt auf diesem Weg für Versorgungssicherheit. Deshalb hält man an der Technologie fest.

In das öffentliche Stromnetz muss stets die selbe Menge an Strom eingespeist werden, wie in den Verbrauch fließt. Für die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts wird die sogenannte Regelenergie benötigt. Bei der erneuerbaren Energieproduktion gibt es aber eine Technologie, die bereits erfolgreich ist beim dem hierfür benötigten Ausgleich von Engpässen und Überschüssen. Biogasanlagen eignen sich nämlich hervorragend dazu, für Flexibilität im Systems zu sorgen, und Schwankungen bei Wind- und Solarstrom auszugleichen. Das ist so, weil Biogasanlagen kontinuierlich verlässlich Strom und Wärme produzieren können, aber im Falle von Überschüssen oder Engpässen flexibel herunter geregelt oder zugeschaltet werden können. Sie erfüllen damit im Energiesystem eine sehr wichtige Aufgabe. In virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet mit Windrädern und Photovoltaikanlagen bilden sie das Potential, den Netzbetreibern die benötigte Flexibilität zu garantieren.

Was mit diesem kleinen Argumentationsbeispiel gezeigt werden sollte, ist Folgendes: um den Dialog über den Transformationsprozess zu erneuerbaren Energien in der Gesellschaft auf eine wahrhaftige Grundlage stellen zu können, müssen die von verschiedenen Interessensgruppen in den Diskurs eingebrachten Mythen und Pseudowahrheiten dekonsturiert werden – will heißen, man muss ihnen Fakten und reale Gegebenheiten gegenüberstellen. Und nicht nur das. Man muss die Sätze immer wieder klar und deutlich aussprechen, Energiewende Mythen als solche kennzeichnen und die öffentliche Diskussion – auch oder besonders die mediale anreichern mit den Wahrheiten und Gegendarstellungen derjenigen, die in der Lage sind, zu erkennen, wo versucht wird Sachverhalte zugunsten von ökonomischen Einzelinteressen zu verschleiern. Damit verhindert man letztendlich auch, dass zur Ablenkung der Gesellschaft Scheindebatten geführt werden, wie die über die Energiewende als Ursache für verteuerten Strom während man die Schieflage dazu verwendet, um Regelungen zu verankern, die den Interessen der Stromgiganten folgen.

Text: Claudia Ring, März 2017

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