29.01.17, 18:20 Claudia Ring

Nach der Enthüllung des VW Abgasbetruges begann eine riesige Presseschlacht. Die Medien hatten die Geschädigten schnell ausgemacht. Zwei davon waren an prominentester Position: die Reputation der Deutschen Wirtschaft in der Welt und der Ruf des VW Konzerns selbst. Natürlich war das nicht alles. Der Konzern hat enorme finanzielle Auswirkungen in Form von Entschädigungen und Strafzahlungen zu spüren bekommen. Und zu guter letzt darf man ja auch die VW Kunden, die mit der fehlgeleiteten Software ausgestatteten Autos wieder umrüsten lassen mussten, nicht vergessen.

Doch verwundern tut es, dass genau das, worum es eigentlich geht – nämlich die Emissionen, die durch den Abgasbetrug frei geworden sind in keiner Pressemeldung zu finden sind. Denn, die sind ja der eigentliche Skandal. Sie sind der Grund, warum Richter in den USA den VW Konzern zu hohen Strafzahlungen verdonnert haben. In der öffentlichen Diskussion und der darauffolgenden gesellschaftlichen Aufarbeitung kommt dieser Umwelt- oder Klimaskandal gar nicht vor.

Auch Google und Co beziehungsweise deren Suchmaschinen schweigen sich zu dem Thema aus. Unabhängige Untersuchungen zum Klimaschaden – Fehlanzeige. Die Schadstoffbilanz des Abgasbetruges kommt in der öffentlichen Diskussion nicht vor. Beklagt werden zwar die gesundheutsschädigenden Luftwerte, aber von einem Gesamtschaden ist nirgends die Rede dieser Tage.

Die Emissionswerte deutscher Städte sind allgemein bekannt und werden deutschlandweit erneut an den Pranger gestellt, und so sollte es ein einfaches Rechenexempel sein, zu ermitteln, wie groß der Schaden durch die fehlgesteuerte Software der Autobauer insgesamt war und noch ist. In den Städten werden seit Langem viel zu hohe Stickdioxidwerte gemessen. Dass die Dieselfahrzeuge daran einen erheblichen Anteilhaben, wissen wir. Der eigentliche Skandal ist, dass bisher niemand auf diese Informationen reagiert hat, sagte Axel Friedrich, der ehemalige Leiter des Verkehrsressorts des Umweltbundesamtes, der maßgeblich an der Aufdeckung des Abgasskandals beteiligt war dem Online Magazin klimaretter.info in einem Interveiw.

Im Umweltrecht kommt in einem solchen Fall das Verursacherprinzip zur Anwendung. Polluter Pays. Doch wer hat beizeiten errechnet, wie hoch der Schaden für das Weltklima zu veranschlagen ist? Statt den verantwortlichen Autobauerrn und ihren Führungspitzen anhand dieser Zahlen die Rechnung zu präsentieren, lässt man sie mit hohen Abfindungen von dannen ziehen. Der einzige Satz, der sich zu den Folgen des Betruges in der Presse finden ließ, handelt von exzessiver Luftverschmutzung, die es zu stoppen gelte.

Nun muss aber auch vor allem diskutiert werden über Nachhaltigkeitsstandards im Ökonomischen System. Den motorisierten Individualverkehr auf Elektromobilität umzustellen wird die Schadensbilanz für das Klima zwar erheblich verbessern, doch der Punkt ist ein ganz anderer. Was wurde eigentlich nach der Entdeckung des Abgasbetruges gemacht? Man schob sich gegenseitig die Schuld für die Fahrlässigkeit zu bei der Überprüfung von Abgasnormen und stellte Kompensationen und Weiterentwicklungen in der Elektro Autobranche in Aussicht. Der Klimaschaden durch den Abgasbetrug hat nie zur Diskussion gestanden.

Eines aber zeigt diese retrospektive Prresseschau: sie gibt darüber Auskunft, welche Prioritäten wir setzen. Es geht da um Geld, um den guten Ruf, um Konzerne und Arbeitsplätze, um moralische Fragen eines solchen Betruges und um Verantwortlichkeiten bzw. Schuld. Es ist anscheinend für den Zeitungsleser enorm wichtig, wie hoch der finanzielle Schaden in Ziffern ist und wieviele Autos unentdeckt auf den Markt geraten konnten. Es ist enorm bedeutsam, wie hoch die Entschädigungen und Strafzahlungen ausfallen und vor allem, welcher Manager die Sache zu verantworten hat. Wie konnte das geschehen – lamentieren die Blätter.

Die Menschen denken dabei gar nicht egoistisch, wie man meinen könnte. Nein, im Gegenteil, sie haben sich selbst völlig vergessen. Ihre eigenen Interessen – denn es geht uns anscheinend gar nicht darum, für unsere Lebensgrundlagen und die nachfolgender Generationen auf der gesamten Erde zu sorgen. Die Prioritäten die unserem Wirtschaften zugrundeliegen, sind die wirklichen Ursachen des Abgasskandals. Der Geschädigte für Jahrtausende: die Erdatmosphäre und das globale Klima.

text: Claudia Ring
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dieser text wurde eigens für den blog der startnext crowdfunding Kampagne für die Autorin geschrieben

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