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Schleswig-Holstein

Windenergie für uns

von Claudia Ring

Die weltweite Klimadestabilisierung ist allarmierend. Aber wir sind, was die Energiewende anbetrifft auf einem guten Pfad. Hört man jedoch die lokalen Botschaften aus der Presse, wie die aus den Kieler Nachrichten in dieser Woche, von denen eine lautet, „50 % der Menschen in Schleswig-Holstein wären laut forsa Institut gegen den Bau von Windparks“, kann man schon nachdenklich werden. Gegen Windstrom aus der eigenen Region zu sein, das muß man gut begründen können, denn es geht um die eigene Versorgung. Der Windpark in Meimersdorf beispielsweise würde knapp 15.000 Haushalte der Stadt Kiel abdecken können. Und von denen will die Hälfte keinen regionalen Ökostrom? Warum?

Weil die Netzentgelte steigen? Weil es zwischendrin technische Probleme zu lösen gilt?  92% der Bundesbürger stehen hinter dem Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland. In Schleswig-Holstein muss also etwas anders sein, oder verkehrt, dass es zu dieser vermeintlichen Ablehnung kommt. Wer sind diese 50 % Schleswig-Holsteiner, die das nicht möchten? Sind es die Leute, die von der Windkraftgegnerlobby aus anderen Bundesländern und vor Ort aufgewiegelt werden, mit Argumenten wie, dass man ihre Rechte mit Füßen tritt, ihnen die Aussicht versperrt und ihre Liebe zur Natur und Heimat ignorieren möchte? Diejenigen, die sich vor dem Infraschall fürchten? Diejenigen, die ein Forum für ihren gesellschaftlichen Unmut suchen? Man ist geneigt, ihnen ein Atomkraftwerk in den Vorgarten zu wünschen. Nebst Endlagerverpflichtung für 50 000 Jahre.

In dem Presseartikel, auf den ich mich hier beziehe geht es um Wahlkampf und um die Ausbaupläne der Landesregierung in Schleswig-Holstein. Dies impliziert, dass Windparks politische Projekte sind, die von Ländern oder vielmehr den Kommunen auf den Weg gebracht werden. Die Realität sieht aber auch anders aus. Sicher sind politische Weichenstellungen Teil der Abläufe, doch 50 % der erneuerbaren Erzeugerparks in Deutschland sind von Bürgern selbst  initiiert und eben gewollt. Sie, die Bürger sind es auch, die beim Bau eines Wind- oder Solarparks vom passiven Verbraucher zum Akteur werden. Sie treffen energiepolitische Enscheidungen, sind Anteilseigner, Stromerzeuger und Stromhändler in einem. Und sie alle haben vor allem eines gemeinsam: ein gutes Gefühl. Denn die Klimaschäden machen die Umstellung auf Ökoenergie zwingend. Die Zeiten der anonymen großen Akteure in der deutschen Stromlandschaft nähern sich jedenfalls dem Ende.

Doch es geht um mehr. Die Entscheidung einer Kommune für einen Windpark, der die Gemeinde versorgt, ist eine Win Win Situation für Betreiber und dem Handwerk und der Industrie des Ortes, denn das Geld, das sonst an einen anonymen großen Stromproduzenten aus der Gemeinde abfließt, und das ist nicht eben wenig, verbleibt vor Ort. Dort kann es für weitere erneuerbare Projekte genutzt werden, oder eben für anderes. Die Dividenden betragen um die 7%. Auch das in unseren Tagen kein Pappenstiel. Es ist aber in einem bestimmten Falle auch eine Win Win Situation für den Ort und die nächste Großstadt, die für all diese Anlagen gar nicht den Platz hätte, und auf die Versorgung aus dem Umland zwingend angewiesen ist. So hat die Windpark-Betreiber- Gemeinde eine Möglichkeit ins Geschäft einzusteigen und die Stadt kann ihren Energiebedarf – erneuerbar – decken. Gemeinden in denen das so gemacht wird, sind sehr stolz auf das, was sie auf den Weg gebracht haben. Gemeinsam. Wer aber wäre stolz darauf Kunde vom e.on oder Vattenfall zu sein. Nein, das alles haben die Bürger selbst für sich, für ihren Ort, für die lokale Wirtschaft und eben auch für die Klimasituation auf der Erde getan.

Über Abstände von Wohnhäusern läßt sich reden. Zu raten ist den Skeptikern aber, sich mit den Untersuchungen hierüber zu befassen. Denn in der Regel ist von den Rädern nur wenig zu hören, es sei denn, man setzt sich in den Gartenstuhl und beobachtet sie den Tag über. Aber dazu hat wohl im Alltag niemand Zeit. Es ist vielmehr ein innerer Prozeß, der die Menschen zu Befürwortern von Windenergie macht. Klar, das ist meine Heimat und die Landschaft die ich seit 40 Jahren oder mehr vor Augen habe, und jetzt verschandeln wir das alles für eine schnelle Mark?

Nein. Wir müsssen ja gerade denken an das, was hier später einmal sein wird. Windräder sind ein Zeichen der Hoffnung für eine nachhaltige Zukunft. Sie zeigen uns, dass wir ein modernes Land mit Visionen sind für die Nachkommen, die ein Recht auf intakte Lebensgrundlagen haben. Lebensgrundlagen wohlgemerkt – nicht eine schöne Aussicht. Zu wünschen ist, dass auch die Menschen in SH, die dem ganzen wirklich  abgeneigt sind – falls es sie tatsächlich in der von der Zeitung erhobenen Menge gibt – sich selbst einmal diesem  inneren Prozess unterziehen in dem sie sich Fragen über die Zustände auf der Erde in der Zukunft  stellen. Und sich fragen, ob es nicht  ein lohnenswertes Ziel ist, unsere Enkel mit den gleichen hoffnugsvollen Perspektiven auszustatten, wie die , die wir hier vorgefunden haben. Mit Schneeballschlachten im Januar, mit Gemecker über den ewigen Regen, mit einem Alltag ohne Sturmwarnungen im Radio. Und dem Eigentlichen, von dem wir jetzt die Anfangsboten erleben. Einem Leben, dass permanent um die klimalen Gefahren kreist, darum, wie ich Hab und Gut erhalte unter schwersten Bedingungen. Wir heute sind die Menschen, die diese Weichen stellen, niemand sonst außer uns, niemals sonst, als jetzt. Geben Sie sich einen Ruck.

Text Claudia Ring